streetart - ist das kunst?
streetart, oder auf deutsch straßenkunst,
ist im allgemeinen eine art, sich kreativ auf
der straße auszudrücken. damit sind nicht
straßenkünstler gemeint, die in touristen-
städten auf der straße sitzen, um touris für geld zu potraitieren oder »kunst im öffent-
lichen raum«, welche von der stadt bewil-
ligt bzw. erwünscht und für geld aufgestellt
wird, sondern streetartisten sind von sich
aus produktiv und aktiv. es wird nicht ge-
fragt, ob man hier oder dort ein bild anbrin-
gen kann. es wird einfach gemacht; sie zie-
hen durch die viertel ihrer stadt und platz-
ieren ihre bilder an auserwählte stellen, gut
sichtbar für andere.
   wenn man begreifen will, warum streetart
eigentlich gemacht wird, muss man weiter
ausholen. man muss die gesellschaft hin-
terfragen, die diese gruppen hervorbringt.
es gibt viele faktoren und komponenten,

die heute den menschen beeinflussen und
manipulieren. wer kann schon von sich aus
mit gewissheit behaupten, nicht durch drit-
te beeinflusst zu sein?
was mache ich von mir aus und welche
verhaltensweisen werden mir von außen
impliziert?
   ein paradebeispiel, wenn es um beein-
flussung geht, ist werbung oder propagan-
da: werbung im öffentlichen raum ist heute
sehr penetrant und auch agressiv in seiner
art, sich seinem betrachter mitzuteilen,
denn er hat leider keine möglichkeit sich
ihr zu entziehen; und so wird es von den
meisten akzeptiert und toleriert.
   der mensch heute ist nur noch spielball
der wirtschaft: »kauf dies, dann fühlst du
dich gut; kauf das, damit du gut aussiehst
und kauf deinem freund das, damit er dich
mag.« kaufen und geld sind dreh- und an-
gelpunkte der gesellschaft.
    streetartisten sind in erster linie men-
schen, die von sich aus kreativ sind und
keinem wirtschaftsmechanismus unter-
liegen. sie möchten ihre ideen am besten

sofort anderen zeigen und sich dadurch
einen namen verschaffen. dabei nutzen sie
den raum, den jeder mensch mindestens
einmal am tag betritt: den urbanen raum.
sie gestalten ihren lebensraum frei nach
ihren ideen, ohne dafür geld zu fordern. sie
setzen ihre eigenen ideen um, verkünden
ihre meinung und legen somit zeugnis ihrer
identität ab. es geht nicht wie beim graffiti
in erster linie darum, einen eigenen namen
zu sprühen, der von einer kleinen gruppe
decodiert werden kann, sondern es werden
oft symbole, zeichen oder figuren, von den
streetartists hinterlassen. die bilder sind
gerade darum nicht so abstrakt für außen-
stehende und erwecken gerade interesse
und nicht abneigung, wie es beim graffiti
der fall ist.
   geht es beim graffiti in erster linie um
das zerstören und vandalieren, so ist der
grundgedanke beim streetart eher auf den
betrachter einzuwirken. man möchte das
interesse wecken, auch von leuten, welche
sich nicht tiefgründig mit der materie aus-
einander setzen, möchte diese zum nach-

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